Markus Orths


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Am 25. November las Markus Orths aus seinem neuen Roman "Hirngespinste" - eine Fortsetzung des Bestsellers "Lehrerzimmer" und eine herrlich amüsante Satire auf den Literaturbetrieb. Außerdem präsentierte uns Markus Orths eine Campusgeschichte aus seinem Erzählband "Fluchtversuche" und eine Kostprobe aus seinem Roman "Das Zimmermädchen".

Mehr Infos zu dem Autor und seinen Werken findet Ihr hier:
http://www.schoeffling.de/content/buecher/449.html

Hier eine kleine Kostprobe aus dem Roman "Hirngespinste":

Ich druckte eiskalt das Manuskript noch einmal aus und schickte es an meinen Verleger V. Sogleich sandte ich eine E-Mail hinterher, in der ich schrieb, dass ich meinen Agenten feuern würde und sich das Manuskript, das neue Manuskript, bereits postalisch auf dem Weg zu ihm, V, befinde. Innerhalb von zwei Minuten hatte ich Vs Antwort: »Ich«, schrieb V, »freue mich für dich, der Macke hat eh eine selbige, und das neue Manuskript werde ich umgehend lesen. Herzlich: V.« Umgehend kursiv. Ich lehnte mich zurück und harrte gelassen der Dinge, die da kommen würden. […]
V schwieg. V wie Vendetta, dachte ich. V wie vielleicht: Vielleicht ist er ja krank. Dann hätte er aber doch zumindest eine E-Mail schicken können: »Krank. Alles Weitere nach Genesung.« Nein, krank war keine Option. Vielleicht, dachte ich jetzt, hatte V einfach anderes zu tun? Aber was? Was hat ein Verleger schon Wichtigeres zu tun, als die Manuskripte seiner Autoren zu lesen? Was hat ein Verleger überhaupt zu tun, außer Manuskripte zu lesen?! Der saß doch den ganzen Tag nur rum und wartete auf Manuskripte! Und wenn die kamen, konnte er sofort anfangen mit dem Lesen! Umgehend! Er hatte es selbst geschrieben! Kursiv! Langsam wurde mir mulmig. Und wenn er das Manuskript schon gelesen hat und schlecht findet? Und nicht so recht weiß, wie er mich am besten belügen soll? Ach was, schlecht finden ist keine Option. […]
Vielleicht liegt ja alles an dem Wort umgehend, dachte ich plötzlich. Vielleicht gibt es eine mangelhafte verbal-technische Korrelation, eine fehlende Semantik-Deckungsgleichheit, kurz: ein Missverständnis. […] Vielleicht ist umgehend ein Partizip! Das Partizip Präsens des Verbs umgehen. […]

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Artikel Markus Orths unipress Dezember 2009 »
Artikel aus der Allgemeinen Zeitung Mainz vom 28. November 2009 »